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Anfang der 2000er war ICQ, aus  in meinem Freundeskreis derart dominant vertreten, dass sich meine ICQ-Nummer bis heute in mein Hirn eingebrannt hat. Da sich Whatsapp schon seit längerem mittels Browser bedienen lässt, wollte ich nachsehen, ob die Jungs und Mädels bei ICQ diesen Service inzwischen auch anbieten. Ich muss zugeben, dass ich recht überrascht davon war, dass es tatsächlich möglich ist.

Vieles hat sich in den letzten Jahren auf ICQ geändert. Früher war es ein einfacher Instant Messenger und ich bin etwa zu der Zeit von Bord gegangen als Spiele und diese dusselige ProSieben-Version aktuell wurden – zumal Miranda mit den Spielen nicht klarkam.
Heute gibt es dazu noch eine „Stories“-Funktion wie sie mittlerweile sehr viele Dienste bei Snapchat geklaut haben und Gruppen. Gruppen die vollkommen öffentlich zugänglich sind. Gruppen in denen man niemanden der anderen Teilnehmer kennt.

Testweise bin ich der erstbesten Gruppe „Reiter, Kutscher und Pferdefreunde“ beigetreten, grundsätzlich einfach nur um nachzusehen ob diese beworbenen Gruppen besonders voll oder aktiv sind (Spoiler: sind sie nicht).

Daher habe ich schnell drei dumme Nachrichten abgefeuert und bin wieder ausgetreten, da mich Pferde nun nicht sonderlich interessieren.

Etwa zur gleichen Zeit habe ich mit nem Kumpel darüber geredet wie verwundert ich doch bin, dass es a) eine Weboberfläche für ICQ gibt und b) es ICQ überhaupt noch gibt.
Das hat aber schon gereicht um ihn auch einen Blick hineinwerfen zu lassen. Und so waren dann schon 6 aktive Kontakte neben 236 Karteileichen in meiner ICQ-Liste online. Und selbstverständlich trafen wir uns direkt in der Pferdegruppe.

Da wir beide ziemliche Heiopengs sind, hat es sich relativ schnell hochgeschaukelt, sodass wir in einen pseudomittelalterlichen, geschwollenen Sprachstil fielen. So ging es dann zunächst zwischen uns hin und her, und der Rest der Gruppe schien zunächst offline oder einfach nicht mehr aktiv in der Gruppe teilzunehmen. Bis auf eine gewisse Lexi, die sich jeden Morgen mit einem „Guten Morgäääähn“ meldet.

Lexi haben wir selbstverständlich direkt in unsere Welt mit eingebaut und sie wurde zur Ochsenfurther Müllersfrau.

Da wir nun – nach zwei Tagen – noch immer nicht aus der Gruppe geworfen wurden, bleibt das Ende des Ganzen offen.

Den gesamten Chatverlauf werde ich nach und nach in diesem Post nachtragen, oder jeweils neue Einträge dazu schreiben. Je nachdem wie es sich entwickelt.

Chrille: Hallo Bierkutscher, sei mir gegrüßt!

Mugar: Hallo, Herr C. Welchem Gaul haben Sie denn heute ins Maul geschaut?

Chrille: Meiner Kehle dürstet es nach frischen Litern, wo bleibet ihr mit eurem Gespann?

Mugar: Ich eile!

Chrille: Nun warte durstig ich am Tore auf euer Erscheinen!

Mugar: Sehr wohl, sehr wohl. Ich werde geschwindt zu euch galoppieren, was der Zossen hergibt, auf dass die Kutsche berste und sich der Hopfensaft in euer Kehle edelste ergieße.

Chrille: Welch‘ wohligen Worte! Ob jedoch auch Taten folgen werden? Seit des Halben einer ganzen Stunde stehe ich nun bereits am Tore, dem Verdursten so Nah. Wo bleibt ihr, edler Spender?

Mugar: Ach Herrje, mir brach die Achs bei der Einfahrt nach Ochsenfurth. Nun stehe ich hier im Scheine meiner Schmach und hadere mit dem Transporte.
Ach, wüsst ich nur ein neues Fuhrwerk zu erstehen, geschwindt wäre ich da. Binnen weniger Augenblicke, so glaubt mir dies mein Herr.

Chrille: So sind es doch immer die abenteuerlichsten aller Unglücke die euch Kutschern widerfahren! Der Bruch vor Ochsenfurth einer Geschichte gleich, die ich schon einmal von euresgleichen Zunft erhört habe! Nun, edler Bierkutscher, so gebet mir das Wort eines Ehrenmannes und beantwortet mir in all‘ eurer Bescheidenheit: Wann trinken wir?

Mugar: Mein Zeiteisen kündet von 4 Stunden die ins Land ziehen müssen, ehe wir uns dem kalten Hopfensaft widmen können. So schickt dergleich nach eurem Boten, möge er mich herüberbringen. Die Fässer sollen eure Sorge nicht sein, die Ochsenfurther Müllersfrau hebt und trägt sie gerne, es kostet mich gar wenig.

Renate H. ist dem Chat beigetreten
Renate H. hat den Chat verlassen

Lexi: Guten morgääähn

Chrille: Wer spricht dort mit kundiger Zunge dem Morgen die Grüße aus?

Mugar: So seydt gegrüßt, Fräulein Lexi. Sprecht, habt ihr die Fässer herangetragen, wie es euch geheißen war?

Lexi: Ich trag doch Kei Fässer rum ..

Mugar: So erstattet mir die gezahlten Taler oder besorgt adäquaten Ersatz, ehe ich euch auf den Schandbock spannen lasse. Eine Ungeheuerlichkeit sondergleichen!

Chrille: So kläret doch dieses Anliegen endlich zu meiner Zufriedenheit, Kutscher! Lasset ihr euch von dem Weibe gar zum Narren halten?

Mugar: Es stellt sich mir als Rätsel dar. Gab ich dieser Frau doch drei Taler und sieben Rappen. Eine Leistung erbrachte sie dafür nicht, so wittere ich Betrug. Es schmerzt mir das Herz, dass das Bier in den Fässern verkommt, statt unser beider Gaumen zu benetzen. Solch Schmach, solch Scham. Ein Bierkutscher bin ich doch, aber schaffe es nicht die Ware, heiß geliebt, an ihren Bestimmungsort zu verfrachten. All die Pein verursacht von einer Müllersfrau aus Ochsenfurth.

Khan Khan ist dem Chat beigetreten
Khan Khan hat den Chat verlassen
Abid bowara ist dem Chat beigetreten

Lexi: Guten morgääähn

Mugar: Die Taler werden nicht vergessen, Lexi, Müllersfrau aus Ochsenfurth. So lasst mich nicht den Vogt in Kenntnis eurer Missetat setzen.

Andreas: Moin

Mugar: Nun gnade die Gott, Weib Lexi. Ich habe Vogt Andreas von deinem Betruge berichtet. Es ist nun an ihm mir die drei Taler und sieben Rappen zu erstatten und euch zum Recht zu führen!

Chrille: Nun, edler Kutscher, wie ich hoffe habt ihr den Vogt bereits in Kenntnis über das Versagen der Müllersfrau zu Ochsenfurth gesetzet. Mein Problem dennoch nicht gekläret! Es dürstet mir unends, meine Kehle giert nach dem güldenen Gerstensafte der mir doch sonst immer pünktlich zum Schlucke geliefert wurde.

Chrille: Vogt Andreas! Habt ihr die Klage des Kutschers erhalten?