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Zum Geburtstag habe ich von meiner Freundin das Brauereiset „Afternoon Wheat“ vom „Brooklyn Brew Shop“ geschenkt bekommen. Nun, über zwei Monate später, konnte ich mich endlich dazu durchringen mich über Stunden an den Herd zu stellen um Selbstversorger zu werden.

 

Der Paketinhalt und die Anleitung

Äußerst positiv fällt erstmal der Inhalt des Kartons auf. Neben allen nötigen Zutaten vom Braumalz, über Hopfen und Hefe bis hin zu Zubehör wie einem Thermometer und der Gärflasche ist grundsätzlich alles dabei, was man nicht in einer normal ausgestatteten Küche findet.
Selbst beisteuern muss man allerdings 2-3 ausreichen große Töpfe (vor dem aufkochen hat man gute 5 Liter zu verarbeiten), ein engmaschiges Küchensieb und einen Trichter sowie gegebenenfalls Messbecher.

Der Inhalt im Einzelnen

 

  • 1x Gärflasche aus Glas
  • 1 Zutatenpaket
  • 1 Thermometer
  • 1x Reinigungsmittel
  • 1x Abfüllzubehör

Da keine Anleitung beiliegt (auf dem Karton ist eine extrem heruntergebrochene Version abgedruckt) empfiehlt es sich im Internet die entsprechende Anleitung für seine Biersorte herauszukramen. Zusätzlich habe ich glücklicherweise noch eine Reihe von Videos auf Youtube zu meinem „Afternoon Wheat“ gefunden, die den gesamten Vorgang als Schritt für Schritt-Anleitung vorgestellt haben.

Der Brauprozess

Der ganze Spaß beginnt damit zunächst einmal das Desinfektionsmittel anzurühren und sämtliche Gerätschaften (Löffel, Kellen, Töpfe, etc.) gründlich ab- und auszuwaschen. Da der Kram nach dem Ansetzen für 2 Wochen rumsteht, möchte man wirklich keine Bakterien oder schlimmeres in seinem Bier haben. Auch wenn es nicht in der Anleitung steht, habe ich zusätzlich noch (fast) sterile Handschuhe getragen sobald meine Hände mit der Suppe in Berührung kamen – man kann ja nie wissen.

Nach dem Frühjahrsputz kann dann endlich der Brauprozess beginnen indem man 1,9 Liter Wasser auf genau 71 Grad erhitzt. Das Analogthermometer aus dem Set verleiht dem ganzen besonderen Charme. Bei Erreichen der Zieltemperatur kann dann der größte Beutel, mit dem Braumalz, in das warme Wasser gegeben und untergerührt werden. In der Anleitung steht es sei als mache man „Oatmeal“. Als Deutscher ohne amerikanische Essgewohnheiten nenne ich es Matschepampe.

Das Fachwort für diese Zauberei ist Einmaischen (falls ihr auf Parties brillieren wollt).

Durch die Zugabe fällt die Temperatur dann geplant auf etwa 63 Grad. In einem Temperaturfenster zwischen 63 und 68 Grad soll das Ganze dann für eine Stunde gehalten werden. Alle paar Minuten umzurühren hilft hierbei und ist gewünscht.

Nach der Stunde soll der Topf dann, unter durchgehendem Rühren, auf 77 Grad erhitzt werden (Fachwort: Ausmeischen).

Währenddessen sollte sich aber bereits der erste, nach Bier aussehende, Schaum bilden. Das motiviert natürlich ungemein, macht Durst und hilft durch die kommenden Stunden.

 

Die entstandene Maische (Matschepampe) platziert man nun in dem feinmaschigen Küchensieb (welches hoffentlich groß genug ist) und erhitzt weitere 3,8 Liter Wasser auf 77 Grad. Schon beim umfüllen der Matschepampe in das Sieb muss die enthaltene Flüssigkeit aufgefangen werden – diese wird schließlich später das Bier.

Die zusätzlichen 3,9 Liter mit ihren 77 Grad werden dann über die Maische geschüttet. Dabei ist darauf zu achten das Wasser nach Möglichkeit über die gesamte Oberfläche verteilt wird, um möglichst viel des entstandenen Zuckers „herauszuspülen“. Ist alles durchgelaufen wird dieses auswaschen, mit der vorhandenen Flüssigkeit, nochmals wiederholt.

Hat man bis hier alles richtig gemacht, steht man nun vor einem Topf mit etwa 5 Litern Flüssigkeit, die ein wenig nach Brühe riecht. Wer sich fragt wie man 5 Liter in eine 3,9-Liter-Flasche kommt ohne die gültigen physikalischen Gesetze zu brechen, sollte weiterlesen.

 

Ein letztes mal Kochen

 

Besagte fünf Liter müssen nun abermals aufgekocht werden. Dieses mal wortwörtlich – auf 100 Grad. Ist der Siedepunkt erreicht beginnt das Bier (nennen wir es mal schon so) zu schäumen, nun muss die Temperatur ein wenig reduziert werden, damit es nicht überkocht.
Nach 15 Minuten wird die Hälfte des mitgelieferten Hopfens eingemischt und verrührt.
Nach weiteren 30 Minuten (45/60 insgesamt) gibt man nochmals ein Viertel (sprich die Hälfte der verbliebenen Hälfte) hinzu und das letzte Viertel schließlich zum Schluss.

Abkühlen und Abfüllen

Während der letzten Minuten des Kochens sollte man beginnen ein Eisbad vorzubereiten in welches der Topf samt Inhalt nach dem Kochen gestellt wird, denn nun gilt es das Bier auf 21 Grad herunterzukühlen.

Ist diese Temperatur erreicht kann man den Topf endlich in die Flasche umfüllen, hierzu nutzt man den Trichter und nochmals das Sieb, da sich beim Kochen eine Art … Schlamm bildet, den man nicht zwingend in seinem Bier haben möchte.

In die Flasche wird abschließend noch die mitgelieferte Hefe gegeben und das ganze gut durchgeschüttelt (wer kein Putzfanatiker ist, hält idealerweise beim Schütteln die Öffnung der Flasche zu).

Das Schütteln sorgt für eine gute Verteilung der Hefe und weckt diese laut Anleitung auf – man kann also nicht kaum hart genug schütteln. Nur wache Hefe ist gute Hefe.

Anschließend wird der desinfizierte Schlauch in die Flasche geführt und das andere Ende in ein Glas mit dem Desinfektionsmittel gelegt, so kann der Druck, der durch die Hefe entsteht, entweichen und die Flüssigkeit im Glas fungiert zugleich als desinfizierende „Luftschleuse“.

Den Rest macht das Bier nun von alleine, daher muss es an einen dunklen Ort (bei mir ein Schrank) gestellt werden und zwei Wochen lang arbeiten. Dass die Hefe ihr Werk verrichtet macht sich dadurch bemerkbar, dass Luftblasen in der Desinfektionsflüssigkeit aufsteigen.

In etwa zwei Wochen wird es daher ein Fazit zu dem Zirkus geben, und dann wird sich auch entscheiden, ob ich diesen Eintrag vielleicht beim Schrottgourmet einsortieren kann.

Bis dahin werde ich aber wohl auch auf Twitter öfters Updates zum jeweilig aktuellen Status in der Flasche geben.

Prost.

Zeit bis zum abfüllen:

Tag(s)

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Stunde(N)

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Minute(N)

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Sekunde(N)