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Wenn dies der aktuelle Stand der „Wir lassen Soja/Tofu wie Fleisch schmecken“-Wissenschaft ist, dann sollte sich der verantwortliche Lebensmittelingenieur schleunigst seine Kinder schnappen, diese ertränken und sich dann selbst erhängen. Auf ganzer Linie versagt.

Hätte ich bereits vorher ein wenig mehr mit euch Lesern interagiert, hätte ich sicher erfahren, dass bereits der vergangene Donnerstag der Welt-Vegetarier-Tag (nicht zu verwechseln mit dem Weltvegantag, der einen Monat später stattfindet … warum auch immer) gefeiert wurde. Dann hätte ich auch nicht derartig frech und ignorant ein Fleischgericht verputzt, sonder mich an dieser ausgeburt der Hölle erfreut. Sorry, falls ihr euch davon gekränkt gefühlt habt. Euren Ärger könnt ihr aber gerne an chef select auslassen.

Todesmutig betrat ich heute also den Lidl meines Vertrauens um dort der Gerechtigkeit genüge zu tun. Stolz griff ich nach dem „My Best Veggie“-Gericht, berichtete auf meinem Triumphzug zur Kasse noch jedem Menschen von meiner Absicht nun vegetarisch, oder gar vegan zu leben – in etwa einem Monat. Mit selbstsicherem Nicken gab ich der Kassierin zu verstehen „Abrechnen Schnucki, fleischiger wirds heut‘ nicht“ und verlies mit Pauken und Trompeten den Discounter. Ein erhebender Moment für uns alle.

In der Firma angekommen wird dann erstmal skeptisch nachgesehen was ich da überhaupt erworben habe. Aus der Packung befreit lächelt mir aber das altbekannte Zweikammernschälchen entgegen und als mir dann von vier Minuten Zubereitungszeit berichtet wird fühle ich mich wieder gänzlich in meinem Element.
Befreit von der Abdeckfolie beäuge ich das Fleischimitat, welches die Optik seines Vorbildes erstaunlich gut einfängt – Mimikri (relevanter Link für all die Klatschkasper unter euch). Der Reis sieht aus wie gewohnt und die Soße … wer weiß schon was Asiaten alles zusammenschleudern.

Nach drei Minuten im Hochofen – statt über Gasturbinen nachzudenken, habe ich selbstgespräche über meinen neuen Vegetarismus geführt – verbreitet sich der Duft von

Allerfeinste Moppelkotze.

Allerfeinste Moppelkotze.

frisch erbrochenem im Raum. Ich blicke mich um, schaue auf die Packung … habe ich etwa eine Zutat der Soße erraten? Zur Sicherheit verlasse ich den Raum und kehre nach 5 Minuten zurück. Der Geruch hat sich einigermaßen verzogen und ich öffne mit Gasschutzmaske die Himmelstür Tür der Mikrowelle, wo sich mir ein altbekanntes Bild bietet. Der Reis ist zu einem dampfenden Klumpen geschmolzen, der sich perfekt in die Form gebrannt hat und die Soße hat erneut eine Haut gebildet aus dem Fleischartiges herausragt – wie immer also.

Was mich schon länger nervt, ist die Ungewissheit. Verlangen die Hersteller von mir den Reis in die Soße zu werfen oder die Soße über den Reis zu schaufeln. Ich entscheide mich für das einzig logische und vermenge alles auf beiden Seiten, in beiden Schalen, so hat jeder was davon und es sieht noch appetitlicher aus.

Skeptisch betrachte ich das Fleischimitat, welches zu Beginn mutterseelenalleine (denke

Lecker, Gurke.

Lecker, Gurke.

der Begriff ist politisch korrekt, es hatte ja keine Mutter) auf meiner Gabel hockt. Für den Geschmackstest lasse ich nach Möglichkeit viel Soße abtropfen um es dann zu kosten.
Es verfügt tatsächlich über eine Fleischkonsistens, mein Herz geht auf und Regenbogen bilden sich hinter den trüben Bürofenstern in der Tristen Welt. Nur um dann vom Geschmack zerschmetter zu werden. Hatte man es wirklich geschafft mir Pappe unterzujubeln? Es scheint mir fast so.

Um den sensorischen Test fortzuführen benetze ich ein wenig Reis mit der Soße und komme zum Schluss, dass man mir neben Pappe auch noch einen guten Schuss Batteriesäure in mein Mittagessen gab. Danke dafür. Dass kein „Batteries not included“ auf der Umschlagpappe (nicht jener im Essen) vermerkt war, hätte mich stutzig machen müssen – mein Fehler.

Auf Twitter bekam ich derweil den Hinweis, dass zumindest das beiliegende Gemüse

Serviervorschlag

Serviervorschlag

zumindest optisch was hermachte. Langer Rede kurzer Sinn: Auf atomarer Ebene zu Styropor geballert. Mensch, die Mikrowelle hats drauf.

Mein Test endete hier dann auch, da mein Appetit auf unerklärliche Weise gestillt war. Vielleicht überspringe ich die vegane Phase und ernähre mich jetzt bereits von Licht.


Falls nochmal soein toller internationaler Feiertag ins Haus steht, dann gebt mir doch bitte via Facebook bescheid. Um an meine Existenz erinnert zu werden könnt ihr die Seite sogar „liken“ und mir da die Ohren blutig quasseln, Friendos.

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MBV-VAGSSMR

0.9

Fazit

0.9/10

Pros

  • der Name hat richtig viele Buchstaben
  • die Verpackung ist pink
  • Karma

Cons

  • Geschnetzeltes
  • Süss Sauer
  • Mit Reis