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Da durch die Corona-Beschränkungen niemand mehr sein Geld in die Kneipen, Bars und Gaststätten tragen kann, werden andere effektive Wege gesucht Geld in Massen unter die Leute zu bringen. Bei uns ist es: Der Mofa-Club namens Flamin’ Gos.

Es ist der 26. April 2020. In den frühen Abendstunden setze ich mich in Münster in meinen E39 und fahre in Richtung Salzbergen um mich auf einem Autobahnrastplatz mit meinem Kumpel Breer zu treffen. Von dort aus brechen wir in Richtung Bad Oeynhausen auf, um eine Zündapp ZD30 von 1978 abzuholen. Wenige Tage zuvor hatte er für seinen Vater, zum Einstieg in die Rente, eine Zündapp ZD10 – das Mofa seiner Jugend – gekauft.

Angekommen und eine Probefahrt älter hieven wir das Moped auch schon auf den mitgebrachten Anhänger. Während der Verkäufer nochmal ins Grübeln gerät, ob er die Maschine nun wirklich verkaufen möchte, wird auch schon der abgemachte Betrag in die Hand gedrückt und wir befinden uns wieder in Richtung Autobahn ins heimische Nordhorn.
Bei der Probefahrt nur zuzusehen hat wiederum mich ausreichend angefixt noch auf der Fahrt ebay Kleinanzeigen anzuschmeißen und nach Mofas und Mopeds in Orten neben der Autobahn zu suchen um im Zweifel direkt noch eine zweite Mofa auf den Anhänger werfen zu können.

Impulskäufe sind beste Käufe.

In Neuenkirchen werde ich fündig, es wäre ein kleiner Schwenker in Richtung Süden. Ich schreibe dem Verkäufer mit der Frage, ob die Mofa (eine Solo 712, für die Interessierten), anspringt und wie der allgemeine Zustand ist. Kurz darauf bekomme ich die Antwort, dass er mir ein Video vom Motorstart und anschließenden Laufen schicken würde, das würde es für mich leichter machen den Zustand zu bewerten und ihm eine Menge Tipparbeit abnehmen.

Mit der herausragenden Netzabdeckung auf Autobahnen im Hinterkopf schreibe ich “sehr gut, ich bin gespannt”. Kurz darauf erreicht mich die Nachricht, dass der Gaszug beim Start gerissen sei, dies wäre aber eine kleine Reparatur von wenigen Minuten. Wir entscheiden uns gegen den Schwenker in Richtung Süden.

Der nachfolgende Tag ist geprägt von ewigem Austausch von Ebay-Links zwischen uns beiden, bis wir schließlich Abends nach Lingen fahren, um eine Hercules Prima 5 von 2003 anzusehen.
Nach einer halsbrecherischen Probefahrt (sagen wir mal, ich kam mit dem Schleifpunkt der Kupplung zu Beginn nicht zwingend klar) bekommt mein Verhandlungs-gegner, ein 17-jähriger Junge, schließlich 570EUR von mir in die Hand gedrückt und wir können abermals eine Mofa verladen – heute auf die Ladefläche eines SUVs, der seither unterschwellig nach Zweitaktgemisch im Verhältnis 1:50 riecht…

Anschließend parke ich die Prima 5 zunächst in meinem ohnehin leerstehendem Esszimmer auf einem Teppich, der so hässlich ist, dass er durch jeden Tropfen Öl und Sprit nur aufgewertet wird.

Am 29. April besorge ich schließlich überraschend unkompliziert das Versicherungskennzeichen für ~45EUR. Dazu erreichen mich zwei Rollen mit KFZ-Folie, da ich mir in den Kopf gesetzt habe den angeschlagenen Lack der Prima 5 einfach zu folieren. Ein Vorhaben, welches furchtbar in die Hose ging.

Mittlerweile haben wir auch Freunde ausreichend angefixt, sodass ich noch während der Woche mit René nach Versmold fahre. Dort wartet eine Rixe Champion von 1976 auf ihn, welche nach kurzer Probefahrt in einem Sprinter landet. Der ersten gemeinsamen Ausfahrt zu Dritt am Folgewochenende steht so nichts mehr im Wege.

Samstag, 02. Mai 2020 – wir treffen uns zur ersten Ausfahrt.
Nachdem wir uns beim Motorradausstatter fesche Helme gekauft und dazu noch Sprit besorgt haben, manövrieren wir meinen Hobel wieder in den Fahrstuhl und lassen ihn hinab.

Ich fahre über Nebenstraßen und Schleichwege zum Treffpunkt. Noch stehe ich mit der Kupplung auf Kriegsfuß und möchte die Mofa ungern anderen Verkehrsteilnehmern ins Heck werfen. Dort angekommen treffe ich Breer bereits kniend vor seiner auseinandergebauten Zündapp – der Vergaser spielt noch nicht so mit.

Ich zucke mit den Schultern, stelle die Hercules an eine Wand, denn der Hauptständer ist defekt, und knie mich dazu im Versuch einen Überblick über die Situation zu bekommen.

Derweil tickert René durch, dass er auf dem Weg sei, wenige Minuten auf diese Nachricht kann man dann auch seine Mofa vernehmen, die sich an uns heranarbeitet.

Als erstes Fahrtenziel machen wir das Kloster Frenswegen aus. Eine Fahrt von 5,3 Kilometern.
Bereits nach genau 1248 Metern geht die Zündapp aus und lässt sich nicht mehr starten. Auch ein fixer Reperaturversuch auf dem Radweg bringt nichts – zurückschieben ist angesagt. Breer beginnt zu schieben, in diesem Moment entscheidet meine Hercules (die sich bereits auf diesem ersten Kilometer als signifikant langsamer als die anderen beiden herausstellte), dass sie nicht mehr starten möchte. Also darf auch ich in der prallen Sonne schieben.
An der Garage angekommen bietet sich das bekannte Bild.

Der Vergaser der Zündapp liegt ausgebreitet vor der Maschine. Leider ist an dem Tag damit auch wirklich alles vorbei für die ZD30 – glücklicherweise steht noch die ZD10, die alles auslöste, in der Garage und wir können nach kurzer Reparatur an der Hercules doch noch aufbrechen.
Diesmal schaffen wir es zum Kloster, die Zündapp und Rixe nur wesentlich fixer als meine, aber das ist ein Problem für einen anderen Tag. Wir sind zunächst froh es so weit geschafft zu haben und besprechen bei einem Bierchen zur Feier die weitere Route, die uns nocheinmal durch einen Regenschauer schicken, aber mit weiteren Pannen verschonen sollte.

Durch diese Ausfahrt definieren wir nachfolgend das Gründungsdatum des Mofa-Clubs als den 02. Mai 2020.

Ich hoffe hier nun einigermaßen am Ball zu bleiben und die nachfolgende Clubentwicklung ebenfalls in Textform zu bannen, denn so ist hier neben sporadischen Schrottgourmets und ständigen Bierrekorden auch mal wieder mehr Abwechslung in der Bude!
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