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Ein versehentlicher Einkauf bringt euch einen neuen Schrottgourmet-Eintrag, und mir stechende Bauchschmerzen. Tolles Verhältnis, Partypeople!

Der perfide Plan der Giftmischer von World’s Kitchen war es wohl, dass ihr Green Curry möglichst nach einer Veggie-Variante eines Currys aussieht – anders kann man sich die grüne Färbung der Umverpackung und die Positionierung direkt neben den Fleischalternativen nicht erklären.
Und so wanderte diese kulinarische Frechheit schließlich in meinen Einkaufswagen. Entschuldigend kann ich vielleicht noch ins Feld führen, dass ich beim Kauf meine Brille noch nicht hatte und somit eiskalt im Maulwurfsmodus einkaufen ging.

Zugegeben: der Serviervorschlag auf der Pappe sieht einladend aus. Dieser Eindruck schlägt umgehend um 180 Grad um, wenn man den Matscheschlonz samt Reis dann in seiner traurigen Plastikschale sieht, welche eine doppelt und dreifache Beleidigung sämtlicher Meeresbewohner ist, wenn sie ihren Weg in die Ozeane geschafft hat – und man darf einfach nur hoffen, dass auf dem Weg sämtliche Nahrungsreste aus dem Plastik gespült wurden und die Bremer Strände schwer in Mitleidenschaft zieht.

Und selbstverständlich weigere ich mich noch immer eine Mikrowelle anzuschaffen, wodurch der Lümmel für flinke 20 Minuten in einem absurd großen Topf eintaucht – natürlich Anleitungsgerecht, ohne dass das schmackhafte Wasser die Folie über der bodenlosen Frechheit bedeckt.

Nach dem abgießen und entfernen der Folie, die das Leben davor und danach voneinander trennt, steigt einem der kochend heiße Dampf in die Augen. Der Reis hatte an dem Bad also ähnlich viel Spaß wie ich – derart fest wie er sich am Plastikschälchen zu klammern scheint, hat er Bock auf eine zweite Runde. Statt diese zweite Runde zu gewähren, gebe ich mich geschlagen und finde mich damit ab abermals aus der Schale zu essen. Es ist ja auch zu einem gewissen Maß Tradition.

Die Schale landet schließlich auf einem Teller, mit dem ich mich am Esszimmer vorbei ins Wohnzimmer schleiche – dieses Gericht verdient es nicht in einem Esszimmer zelebriert zu werden.

Vorsichtig durchbricht die Gabel die leichte Haut, die sich puddingartig auf dem Curry bildete, mittlerweile stelle ich gar nichts mehr in Frage, ich befinde mich in Paraworld und Pudding kocht man künftig mit Kokosmilch in Pfannen. 


Die Gedanken beginnen zu kreisen … soll ich den Reis etwa in das Curry Hebeln oder das Curry auf den Reis schaufeln. Ganz Verrückte tauchen sicherlich jede einzelne Gabel mit dem asiatischen Getreide in die flüssige Frechheit. Ich nicht. Ich beginne, wie der letzte Mensch, Flüssigkeit mit der Gabel herüberzuwuchten. Eine denkbar schwere Aufgabe mit einer dusseligen Gabel.

Schließlich durchbricht die Gabel, mein heutiges Allzweckwerkzeug, durch die asphaltfeste Oberfläche der Reisportion und erhebt sich widerwillig, behaftet mit Curry, in Richtung meines Mundes. Ein Déjà-vu durchzuckt mich mit dem Aufeinandertreffen von kühlem Reis und heißem Curry – es ist derselbe Hitzeschmerz wie wenige Minuten zuvor beim Öffnen der Folie. Erlebnisorientierte kommen hier auf ihre Kosten.

 

Der Reis, eine absurde Mischung aus Übriggebliebenem – wie ich vermute, lässt sich auf eine annehmbare Temperatur vermengen und nimmt so auch dem Curry die Hitze.

Das Curry selbst würde, in Pakistan serviert, den Hass auf Indien nochmals antreiben – Atomkrieg durch Abendessen, eine willkommene Option um mich aus diesem Abendessen zu erlösen.